Ausgabe 1-2021 : Februar

Homeoffice: Teil der neuen Normalität

Seit einem Jahr schon wirkt sich die Coronavirus-Pandemie auf viele Bereiche des täglichen Lebens aus. Und je länger sie anhält, desto tiefer ist die Erkenntnis: Es wird kein völliges Zurück zur alten Normalität geben. Die Verschiebung zum Homeoffice beziehungsweise mobilem Arbeiten ist ein gutes Beispiel dafür.

Multitasking beim Homeoffice: Mutter am Computer, daneben ein Baby auf dem Fußboden
In bestimmten Branchen ist das mobile Arbeiten bereist zu einem neuen Standard geworden.

Grundlegende Veränderungen haben sich in der Arbeitswelt zwar schon vor dem Ausbruch der Pandemie abgezeichnet. Hier genügt das Stichwort „Digitalisierung“. Doch die aktuelle Krise wirkt mit ihren tiefgreifenden Auswirkungen wie ein Katalysator. Das Arbeiten daheim oder außerhalb des Büros ist in bestimmten Branchen und für bestimmte Berufe zu einem neuen Standard geworden.

So wird aus naheliegenden Gründen bereits über einen gesetzlichen Anspruch diskutiert. Auf der einen Seite wird das Arbeiten daheim als ein Instrument zur Erlangung von mehr Selbstbestimmtheit im Alltag gesehen. Auf der anderen Seite wird die drohende Entgrenzung von Arbeits- und Privatleben ins Feld geführt. Hinzu kommt eine Gerechtigkeitsdebatte. Denn eine Homeoffice-Garantie könnte in all den Branchen, in denen diese moderne Arbeitsform schwerlich umsetzbar ist, zu Begehrlichkeiten ganz anderer Art führen. So wird in Parteien und Gewerkschaften schon angeregt, „Flexi-Tage“ für Beschäftigte in der Pflege, in den Kitas und im Einzelhandel einzuführen, die faktisch wie zusätzliche Urlaubstage wirken. 

Sollte man also doch lieber alle Regelungen zur Arbeit im Homeoffice den Tarifparteien überlassen? Auch das ist nicht frei von Tücken. Nur knapp die Hälfte der Arbeitnehmenden befindet sich in tariflich geregelten Beschäftigungsverhältnissen. So bleibt zu befürchten, dass nicht wenigen die Option auf das Arbeiten daheim verwehrt bleiben könnte.

Mobiles Arbeiten sollte dort, wo es praktiziert werden kann, einen Baustein des Arbeitsalltags bilden. Nicht unbedingt jeden Tag in der Woche. Denn das Zusammenkommen im Büro, der direkte Austausch oder das gemeinsame Entwickeln von Ideen und Innovationen darf nicht entfallen. Aber bei allem Für und Wider würde ein Regel­anspruch auf Homeoffice das Prinzip der Eigenverantwortung stärken. Und genau das sollte in einer modernen Gesellschaft selbstverständlich sein. Schließlich weiß im Zweifel jeder und jede Einzelne am besten, wie und wo er und sie die eigenen Ressourcen am effektivsten einsetzen kann.

Die Debatte rund um Möglichkeiten und Grenzen des Homeoffice ist nur ein Beispiel für die tiefgreifenden Veränderungen in einer neuen Arbeits- und Gesellschaftsordnung. Kurzfristig bietet sie allemal "Zündstoff" für den anstehenden Bundestagswahlkampf.


Bild: standsome worklifestyle/unsplash

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