Ausgabe 4-2022 : Oktober

Die Kirche muss sich ändern!?

Der Synodale Weg ist ein Weg mit vielen Spannungen – ein wahrhaft spannender Weg.

Hohe Erwartungen und große Befürchtungen sind mit dem Synodalen Weg verbunden. Er hat das Ziel die Kirche aus ihrer gegenwärtigen Krise herauszuführen. Aber wer ist mit dieser Kirche gemeint? Theologisch ist klar, die Kirche ist das Volk Gottes, also alle Getauften. Die Gläubigen erleben aber eine Trennung, wenn sie sagen: »Eines ist klar, die Kirche muss sich ändern, wir nicht!«  Im Gegensatz dazu erzählte mir ein Bischof: »Als Bischof bin ich arm dran, die Leute meinen immer, ich bräuchte nur auf einen Knopf zu drücken und alles würde sich ändern. Aber ich habe diesen Knopf nicht.«

     Kirche meint einerseits die Institution, repräsentiert durch die Bischöfe und die Geweihten und andererseits ist Kirche die gelebte Praxis der Gläubigen in den Pfarreien und Verbänden. Eigentlich sind sie zusammen die Kirche! Doch dies stimmt nicht mit dem konkreten Erleben der Menschen überein.

     Beim Synodalen Weg ringen Bischöfe und Laien gemeinsam um Reformen; die Bischöfe haben die Laien darum gebeten, gemeinsam mit ihnen Wege aus der Krise der Kirche zu suchen. Die dort erarbeiteten Texte sollen die Grundlage für Veränderungen innerhalb der Institution Kirche werden. Denn Veränderungen sind nötig, damit sich alle Getauften als Kirche erleben können. Und dies hat konkrete Auswirkungen auf das kirchliche Leben.

     Ein Beispiel: Nur wenn für alle selbstverständlich ist, dass die Weihe die Würde des Christseins nicht erhöht, werden die Geweihten ihre Haltung aufgeben, dem Laien sein Wirken zu genehmigen und ihn als Bittsteller zu behandeln. Kolpinggeschwister werden dann bei ihrem Engagement in und für die Kirche nicht darauf warten, dass es ihnen gutwillig gewährt wird, sondern sie tun es selbstbewusst mit eigenem Fug und Recht. 

     Diese Wechselwirkung betrifft alle Themen des Synodalen Weges. Es geht nicht mit Knopfdruck und es liegt auch nicht nur an den Anderen. Die Rollen von Spielern und Zuschauer sind nicht klar verteilt. Jeder Getaufte ist Mitspieler, es geht nur gemeinsam. Für unseren Verband ist es entscheidend, sich mit den Themen des Synodalen Weges auseinanderzusetzen und Konsequenzen für unser Engagement daraus zu ziehen.

     Es gilt das Motto von Adolph Kolping für Bischöfe und Laien: »Tut jeder in seinem Kreise das Beste, wird’s bald in der Kirche (Welt) auch besser aussehen.«

Text: Rosalia Walter – rosalia.walter(at)kolping.de 

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Die Fachreferentinnen und -referenten im Bundessekretariat des Kolpingwerkes Deutschland bringen immer wieder fachlich fundierte Ideen und Denkanstöße in verbandliche Debatten ein. Auf dieser Seite veröffentlichen wir persönliche Einschätzungen der Referentinnen und Referenten. Dies sind keine Positionen des Kolpingwerkes Deutschland, sondern Impulse und Denkanstöße für ergebnisoffene Debatten.