Ausgabe 4-2022 : Oktober

CO2 in aller Munde

Maximal 600 Gramm Fleisch pro Woche empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Darüber hinaus verzehrtes Fleisch begünstigt das Risiko für Schlaganfälle, koronare Herzerkrankungen,

Krebs und Diabetis mellitius Typ 2. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft Ernährung verzehrt der Deutsche durchschnittlich 60 Kilogramm Fleisch im Jahr – also pro Woche etwa das Doppelte der empfohlenen Menge. Allein durch die Reduzierung unseres Fleischverbrauchs auf das gesundheitlich empfohlene Maß könnte pro Person etwa die Hälfte CO2 eingespart werden (siehe Grafik).

Ernährung der Schweine wird zum Problem

Absoluter Fleischfavorit der Deutschen ist Schweinefleisch. Laut dem Statistischen Bundesamt liegt der jährliche Pro-Kopf-Konsum bei 42 Kilogramm. In der Mast von ca. 50 Millionen Schweinen, die laut World Wildlife Fund (WWF) pro Jahr bei uns geschlachtet werden, kommt vor allem Sojaschrot aus Südamerika zum Einsatz, das hierher transportiert werden muss. Außerdem wird dafür Wald gerodet. 600 Gramm Schweinefleisch belasten
unseren CO2-Fußabdruck mit 2,8 Kilogramm CO2.

Rindfleisch belegt mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 14 Kilo laut WWF Platz 2. Leider sorgt Rindfleisch für die höchsten Emissionswerte, bei 600 Gramm sind das 8,2 Kilogramm CO2. Das liegt daran, dass Wiederkäuer viel Methan ausstoßen. Außerdem fressen Mastrinder und Milchkühe im konventionellen Anbau kein Gras, sondern Kraftfutter, das aus Mais, Soja, Weizen und anderem Getreide besteht. Dieses Getreide geht auch der Lebensmittelproduktion verloren.

20 Prozent des in Deutschland verzehrten Fleisches stammt von Hühnern. Das sind 13,1 kg pro Kopf. Es belegt somit Rang 3. Pro Masthuhn werden 700-800 Gramm Sojaschrot benötigt. Das bedeutet in der Klimabilanz – auf den Wochenbedarf von 600 Gramm Fleisch berechnet – die Menge von 3,3 Kilogramm CO2.

Ist Bio-Anbau besser?

Wer nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte Fleisch aus dem Bioanbau kaufen. Dadurch, dass die Tiere hier Gras und andere, für den Menschen unverdauliche Pflanzen fressen, steht ihre Nahrung nicht in Konkurrenz zur menschlichen Ernährung. Das sogenannte Grünland kann viel Kohlenstoff (CO2) binden und den Tieren geht es besser.

Allein mit einem deutschlandweiten, fleisch-freien Tag pro Woche ließen sich innerhalb eines Jahres etwa 9 Mio. Tonnen CO2 einsparen!

Unbedenklicher Fischkonsum?

Jährlich landen nach Angaben des WWF pro Person 15 Kilogramm Fisch und Meeresfrüchte auf deutschen Tellern. Hier gibt es keine empfohlene wöchentliche Höchstgrenze, aber wenn man auch hier von 600 Gramm ausgeht, dann schlagen Hering und Muscheln mit jeweils 3,7 kg CO2 zu Buche. Bei Lachs sind es 1,5 kg CO2. Der Verzehr von Fisch ist nicht unbedenklich: Wegen Überfischung sind viele Arten vom Aussterben bedroht.

6 Tipps für Klimaneutrale Ernährung

  1. Weniger Fleisch und Milchprodukte
  2. Mehr Bioprodukte
  3. Möglichst unverpackte Lebensmittel kaufen (Unverpacktläden)
  4. Lieber Tiefkühlkost als Konserven
  5. Obst und Gemüse selber anbauen
  6. Mehr saisonales Obst und Gemüse

Obst und Gemüse – die Ernährungshits

Im direkten CO2-Vergleich mit Fisch und Fleisch schneiden Obst und Gemüse zwar deutlich besser ab, allerdings gibt es auch hier einige Dinge zu beachten: Besonders empfehlenswert sind Obst und Gemüse aus regionalem Anbau. So werden lange Transportwege vermieden. Wichtig ist, auch auf die Saison zu achten, denn sobald Gewächshäuser betrieben werden, steigt der CO2-Ausstoß wieder an. Und vegetarische Kost? Veggie-Produkte basieren häufig auf Soja, Hülsenfrüchten oder Getreide. Hierbei belasten die Ausweitung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und der Transport die Klimabilanz.

Vergleich: CO2 Ausstoß bei der Produktion von Lebensmittel

1 kg Rindfleisch (Durchschnittl.)       >>>          13,6 kg CO2
1 kg Schweinefleisch (Durchschnittl.)              >>>          4,6 kg CO2
1 kg Hühnerfleisch                >>>           5,5 kg CO2
1 kg Norwegischer Lachs   >>>           2,5 kg CO2
1 kg Äpfel                >>>          0,5 kg CO2
1 kg Tomaten        >>>          0,2 kg CO2
1 kg Bohnen           >>>          0,1 kg CO2
1 kg Mischbrot      >>>          0,7 kg CO2

 

Möglichst unverpackt

Achtung Verpackungen! Auch sie belasten das Klima. Deshalb am besten unverpackte Lebensmittel im Supermarkt kaufen oder gleich in einen der sogenannten »Unverpacktläden« gehen. Auch für Tiefkühl-Produkte werden meist recyclebare Verpackungen verwendet.

Text: Jacqueline Fegers